Nachdem ich den 05.05.2025, 06.05.2025 und 07.05.2025 in Varna verbracht und wieder Kraft geschöpft hatte, verließ ich die Stadt am 08.05.2025 zu Fuß gen Süden. Auf der Suche nach einem guten Platz zum Trampen, lief ich immer weiter an der Haupstraße aus der Stadt hinaus und folgte einer großen Brücke. Doch nach der Brücke endete mein „Gehweg“ und die Straße wurde plötzlich zu einer Schnellstraße. Hier war das Trampen so gut wie unmöglich und die Straße weiter gehen konnte ich auch nicht. Ich schaute mich also nach einer alternativen Route um. Der alternative Weg führte mich durch eine art Favela, wo mir das erste mal auf dieser Reise leicht mulmig zumute war. Alle Menschen an denen ich vorbei kam, schauten mir hinterher, als sei ich eine Attraktion. Zügig durchschritt ich den Stadtteil und stellte mich gut sichtbar am Ortsende an den Straßenrand. Doch niemand hielt. Es sollte wohl nicht sein heute. Also beschloss ich zu laufen – fünfzehn Kilometer an einer Straße entlang, die sich noch im Bau befand. Dreck und Staub wirbelten auf, als mich LKW’s und Autos passierten, auf meinem Weg zu einem besseren Trampingspot. Auf halben Wege, als die Straße einen Knick nach rechts machte wurde ich von zwei „Damen“ auf der anderen Straßenseite aufgefordert, zu ihnen zu kommen. Ich konnte mir schon denken was sie wollten und blieb auf meiner Straßenseite. Als eine von ihnen in gebrochenem Englisch und dann sogar in gebrochenem Deutsch mir einen Blowjob für umgerechnet 15 Euro anbot – meine Frau müsse ja nichts davon wissen – lehnte ich freundlich aber entschieden ab. Sie grinste mir mit ihren gelben Zähnen hinterher, als ich weiter zog. Erst spät am Nachmittag fand ich zurück zur Straße, auf der ich mich ursprünglich fortbewegen wollte und es dauerte auch nicht lange bis das erste Auto hielt. Das erste mal auf dieser Reise stieg ich nicht ein, da der Fahrer mich nur drei Kilometer mitnehmen konnte. Während des Wanderns hatte ich mir eine neue Regel zurecht gelegt: Ich würde nur dann einsteigen, wenn der Lift mich kilometertechnisch weiter brachte als ich bereits an diesem Tag gelaufen war und ich war mehr als das fünffache gelaufen. Auch war die Stelle an der ich nun stand wirklich gut zum Trampen und ich war mir sicher, dass bald ein Auto halten würde, das mich weiter als drei Kilometer mitnahm. Nur wenig später saß ich in einem anderen Auto und wurde an einem Supermarkt wieder abgesetzt, wo ich kurzerhand meine Vorräte auffüllte. Mein Wasser war über den Tag knapp geworden. Keine zehn Minuten später hielt ein weiteres Auto für mich, dass mich direkt bis nach Burgas mitnahm. Jackpot 150 Kilometer anstatt drei. Noch im Auto buchte ich ein billiges Hotelzimmer in Burgas, während ich den Blick von der Passstraße auf Sunny Beach genoss.


Am Morgen des 09.05.2024 ging es aus Burgas hinaus in Richtung türkische Grenze. Heute hatte ich mehr Glück und kam schnell aus der Stadt hinaus, dafür gestaltete sich das Weiterkommen schwieriger. Mehere kleine stops später hatte ich das Glück von einem älteren türkischen Ehepaar aufgesammelt zu werden. Zu dritt passierten wir die Grenze von Bulgarien in die Türkei in Richtung Kirklareli. Zuerst wollte mich das Ehepaar dort absetzen, doch als ich Istanbul erwähnte, nahmen sie mich bis nach Çerkesköy mit, wo ich kurzerhand von ihnen an einem Busbahnhof abgesetzt wurde. Zwar war die Sprachbarriere zwischen uns groß gewesen, während den dreihundert Kilometern, die ich von ihnen mitgenommen worden war, aber von einem Busbahnhof war nie die Rede gewesen. Ich entschied mich to go with the flow, bedankte mich und nahm den nächsten verfügbaren Bus bis nach Istanbul. Zum einen war es nicht mehr weit, zum anderen hatte ich eine Couchsurfgelegenheit in Istanbul, die ich wahrnehmen wollte und um bis ins Zentrum von Istanbul zu trampen war es zu spät. Während ich am Busbahnhof wartete, begegnete mir auf der Busbahnhoftoilette zum ersten mal auf dieser Reise eine Hocktoilette mit nachfüllbarem Wasserbehälter. Zwei Stunden später erreichte ich Istanbuls Bussbahnhof, der sich über drei Stockwerke erstreckt. Der größte Busbahnhof, den ich bis jetzt gesehen habe. Via Zug und Bus ging es innerhalb von Istanbul weiter bis in dem Stadtbezirk Beşiktaş, wo ich Auban meinen Host für die nächsten drei Tage treffen wollte. Doch Auban fand mich zuerst. Gerade als ich an einer Imbissbude vorbeilief, wurde ich von hinten angetippt und jemand hielt mir mein Couchsurfingprofilbild, dass auf einem Smartphone angezeigt wurde, ins Gesicht. Es war Auban. Er hatte mich erkannt. Zusammen verbrachten wir den Abend in Gesellschaft seiner Freundin Seda und weiteren Freunden. Zuerst wurde Streetfood gegessen, bevor es weiter ging und wir uns mit vielen anderen Gleichgesinnten auf einer Treppe versammelten, Alkohol tranken und rauchten. Und es wurde viel geraucht. Zigaretten sind in der Türkei verhältnismäßig billig, ca. zwei Euro die Packung. Dementsprechend wurde zugegriffen. Laut Auban war die große Treppe ein relativ neuer Trend unter der jungen Bevölkerung Istanbuls. Sie war ein Weg, eine eigene Party zu schmeißen, anstatt in einen teuren Club oder in eine Bar zu gehen. Man konnte sich sozialisieren, neue Leute treffen und Spaß haben, während man die Inflation und steigenden Kosten zu umgehen versuchte.
Erst spät in der Nacht erreichten wir Auban’s Wohnung und fielen müde ins Bett.


Am 10.05.2025 erwachte ich mit einem garstigen Kratzen im Hals, das immer schlimmer wurde. Ich hatte es bereits gestern gespürt aber nicht weiter beachtet. Über die nächsten Tage stellte sich heraus, dass ich mich anscheinend sowohl erkältet hatte – vermutlich in Varna beim Sprung ins Schwarze Meer – als auch einen Sonnenstich zugezogen hatte. Den Sonnenstich musste ich mir wohl zwischen Varna und Istanbul eingefangen haben. Es war windig gewesen und ich hatte des Häufigeren meinen Breitkrempelingen Hut in den Rucksack gesteckt. Ein Fehler, wie sich nun herausstellte. Mir war schwindelig, und übel und ich fühlte mich ausgelaugt. Die nächste Woche durchlief ich Symptome, die vom Halskratzen, Laufender Nase, Schleimauswurf und Husten, bis zu Kopfschmerzen, Ohrenschmerzen und Gliederschmerzen reichten. Während ich den 10.05. und 11.05.2025 bei Auban verbrachte, entschied ich mich am Montag den 12.05.2025 dafür, in ein Hostel umzuziehen, damit ich mich richtig erholen und auskurieren konnte und Auban nicht weiter belastete, der Arbeiten musste. Als Abschiedsgeste schmuggelte mich Auban noch am Sonntag Abend in das 34. Stockwerk des Le Méridien. Ein 5-Sterne Hotel mit Rooftop-Bar, von wo wir gemeinsam den Ausblick auf das nächtliche Istanbul genossen. Es war atemberaubend und eine ganz andere Erfahrung mal auf eine Stadt von hoch oben hinunter zu schaunen und den Ausblick zu genießen, wo man doch meistens von der Stadt verschlungen und von allen Seiten mit Geräuschen betäubt wird.




Beim Einchecken ins Nomad Hostel am Mittag des 12.05.2025 traf ich dann auf Josh. Josh war mit dem Fahrrad unterwegs, und von England eine ähnliche Route wie ich, bis nach Istanbul geradelt. Wir hatten uns viel zu erzählen, gaben uns gegenseitig Tipps und tauschten uns über Reiseerfahrungen und zukünftige Pläne aus. Auch Josh war verständlicherweise von seiner Tour erschöpft, So gingen wir die nächsten Tage zusammen gemächlich an. Wir erkundeten zusammen Istanbul, sowohl die europäische Seite, als auch die Asiatische. Angefangen bei der Hagia Sophia und der Blauen Moschee, über den Großen Bazar und Gewürzbazar im Eminönü und Fatih Bezirk, bis hin zum Galataturm und der neuen Çamlica-Moschee in Üsküdar, kämpften wir uns gemeinsam durch das Meer an Sehenswürdigkeiten in Istanbul, und hielten dabei immer Ausschau nach gutem Streetfood, um unsere Kräfte wieder zu erneuern. Und gutes Essen gab es in jedem Winkel dieser Stadt. Ich glaube ich habe noch nie so viele Imbissbuden gesehen, wie in der Innenstadt von Istanbul. Begleitet wurden die Imbissbuden von der ständigen Präsenz von Katzen. Sie waren überall, und wurden auch fast überall geduldet und öffenlich gefüttert. Auf einer unserer Erkundungstouren kamen wir an einem Katzenmuseum vorbei und erfuhren endlich den Grund der starken Präsenz: Als florierende Hafenstadt war Istanbul schon zur Zeit des osmanischen Reiches Umschwungpunkt für vielerlei Güter gewesen. Die Katzen halfen dabei, sowohl auf See als auch an Land, Ratten und Mäuse fern zu halten. Zusätzlich gilt die Katze im Islam als ein reines Tier und bekleidet einen dementsprechend hohen Stellenwert.
Da es in Istanbul eine Plethora an günstigen Übernachstungsmöglichkeiten gibt, entschieden Josh und ich am Abend des 13.05.2025 das Hostel zu wechseln und drei weitere Tage in Istanbul zu verbringen. Wir entschieden uns für das Lola Backpacker Hostel, dass kaum mehr als 500 Meter weiter entfernt lag.












Also packten wir am 14.05.2025 unsere sieben Sachen und zogen um. Der Vibe des neuen Hostels stimmte und wir trafen auf viele neue Gesichter aus aller Welt, mit denen wir die nächsten Tage verbrachten, Geschichten austauschten und neue Feundschaften knüpften. Von gemeinschaftlichem Kochen und tiefgrü digen Gesprächen, bis hin zur Schaustellung von Kartentricks und abendlichen Pub- und Clubbesuchen, war alles mit dabei. So vergingen die Tage und ich erholte mich langsam. Vier ganze Tage blieb ich im Lola Hostel, wovon der Samstag, der 17.05.2025 äußerst verregnet war und ich froh war, nicht in angeschlagenem Zustand dem Wetter ausgesetzt zu sein. Während Josh sich am Sonntag den 18.05.2025 wieder mit dem Fahrrad aufmachte, um quer durch die Türkei über Kappadokien nach Georgien zu radeln, verließ auch ich Europa und setzte mit der Fähre von Beyoğlu über nach Kardiköy, auf die asiatische Seite Istanbuls. Als ich endlich ausgecheckt hatte und in Asien ankam, war es bereits zu spät, um noch am selben Tag aus Istanbul hinauszukommen und mit dem Trampen zu beginnen. Kurzerhand suchte ich nach einer billigen Übernachtungsmöglichkeit im Osten Istanbuls und plante von dort den morgigen Tripp aus der Stadt heraus. Es war an der Zeit Istanbul zu verlassen, das spürte ich, aber ein weiterer Tag Ruhe konnte auch nicht schaden. Immer noch war ich von Erkältungssymptomen geplagt, die hartnäcker anhielten als es mir lieb war.













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