Auch am Morgen des 02.07.2025 wurde ich von einem jauchzenden Alamat geweckt, bevor es leckeres Frühstück gab. Die Trockenfrüchte schmeckten besonders gut. Dann war es Zeit wieder aufzubrechen. Herzlich verabschiedete ich mich in Krasnosel’skoe von allen Familienmitgliedern die ich finden konnte und brach auf. Auf dem Weg zu Fuß zur großen Straße, wurde ich von einem kleinen Hundewelpen angefreundet, der mir mehrere Kilometer bis zur Straße auf Schritt und Tritt folgte. Er beschützte mich vor vorbeifahrenden Autos und blieb eng an meiner Seite. Kurzzeitig überlegte ich ersthaft, ob ich ihn nich einfach mitnehmen sollte, doch die Komplikationen, die diese Entscheidung mit sich führen würde wären schwerwiegend. Besonders die vielen Grenzüberschreitungen wären ein Problem. Schweren herzens trampte ich ohne ihn weiter. In der Nähe des Dorfes würde es ihm besser ergehen als an meiner Seite, so hoffte ich. Zwei Autostops später erreichte ich das Dorf Bögetsay, durch das sich der Fluss Or schlängelte. Dort lud mich mein angelbegeisterter Fahrer zu einem kleinen Abstecher abseits des Dorfes zu einem Teich ein, der Abkühlung versprach. Wilde Pferde grasten am Ufer als wir in den See sprangen. Wieder zurück an der Straße trampte ich weiter nach Qarabutaq und wandte mich gen Süden. Über die letzten Tage hatte sich immer mehr herauskristallisiert, dass ich Taschkent und Samarkand besuchen wollte. Die Straße, die in Qarabutaq nach Süden abbog, führte über Qysyslorda und Türkystan nach Schymkent. Von dort war es nicht mehr weit bis nach Usbekistan. Die Route in den Süden bedeutete jedoch auch, das über eintausend Kilometer Steppe zu überwinden und zu bewältigen waren.








Ich war noch nicht lange an der Straße gen Süden entlanggewandert, als hinter mir ein lautes Hupen erklang. Ich drehte mich um und sah wie ein junger LKW-Fahrer im Fahrerhaus die Hand fragend nach Süden ausstreckte. Ich streckte ebenfalls meine Hand in Richtung Süden aus und der LKW hielt Staub aufwirbelnd an. Während der Lastwagenfahrer den LKW auf Sicherheitsmängel prüfte, hiefte ich meinen Rucksack ins Fahrerhaus und stieg ein. Ulan transportierte Autos und war auf dem Weg nach Hause nach Bischkek, das in Kirgistan liegt. Auf seinem Weg nach Bischkek würde Ulan auch Schymkent passieren und so willigte er ein, mich bis dorthin mitzunehmen. Den restlichen und darauffolgenden Tag verbrachte ich so mit Ulan im Fahrerhaus des Lastwagens. Die endlose Steppe erstreckte sich weit in alle Himmelsrichtungen und regionale Musik aber auch gelegentlich ein deutscher Titel dröhnten aus Ulans Radio. Als es dunkel wurde unterhielten wir uns per Dolmetscher. So konnten wir uns recht effizient unterhalten, zusammen lachen und Missverständnisse aus der Welt räumen, wenn es welche gab. Gelegentlich passierten wir mit dem LKW kleine Kamelherden, die am Straßenrand grasten, oder kleine Dörfer bzw. Raststätten, wo wir Wasser und Samsa (gefüllte Teigtaschen) kauften, um unseren Durst und Hunger zu stillen. Gegen Abend des ersten Tages mit Ulan traf den Lastwagen urplötzlich ein Schwarm großer Heuschrecken. Dumpf zeplatzten sie an der Windschutzscheibe und tropften als gelbe Masse die Scheibe hinunter, dass Ulan bald anhalten musste, um die Scheibe zu reinigen. Fast 900 Kilometer trampte ich an diesem Tag von Krasnosel’skoe bis nach Zhosali, wo Ulan nach über zwölf Stunden Fahrt, um zwei Uhr Nachts, endlich hielt und wir uns schlafen legten. Ulan schlief in der Schlafkabine seines Lastwagens und ich baute mein Zelt gegenüber dem Rastplatz, auf der flachen Ebene Kasachstans auf. Die Mücken waren dreist und bissig und ich musste meinen langärmeligen Wollpullover anziehen, um nicht noch mehr zerstochen zu werden. Das bedeutete aber auch, dass ich in kürzester Zeit komplett durchgeschwitzt war. Denn obwohl die Sonne schon längst untergegangen war und in weniger als vier Stunden wieder aufgehen würde, war es immer noch über deißig Grad Celsius heiß.









Wie erwartet bekam ich nur wenig Schlaf. Bereits um kurz vor sechs brannte die Sonne so heiß auf mein Zelt, dass ich es dort nicht mehr aushielt, das Zelt abbaute und Zuflucht unter dem schattigen Dach der Raststätte suchten musste, wo zwei Hunde eine Katze auf die Dachbalken gescheucht hatten und alle drei mich nun fraged anschauten, ob ich wohl ihr Problem lösen würde. Ohne einzugreifen setzte ich mich auf eine Bank im Schatten, trank Wasser aus einer gerade gekauften Flasche und wartete darauf, dass Ulan aufwachte. So startete ich recht müde in den 03.07.2025. Zum Frühstück gab es herzhaftes Schurpa, eine Suppe aus Lammfleisch und verschiedenen Gemüsesorten. Dann brachen wir wieder gen Süden auf, schließlich bewältigten sich die Kilometer nich von alleine. Während die Temperaturen außerhalb der Fahrerkabine immer weiter in die Höhe kletterten und schon bald über vierzig Grad Celsius erreichten, verfügte der Lastwagen glücklicherweise über eine funktionierende Klimaanlage und hielt uns einigermaßen kühl. Jedes mal wenn wir anhielten, um zu tanken, Wasser zu kaufen oder auf toilette zu gehen, war das Öffnen der Lastwagentür wie ein heißer Schlag ins Gesicht. Um so froher waren wir, gegen Mittag ein kleines Schwimmbecken im Grünen zu entdecken. Wie eine kleine Oase tauchte die Raststätte zu unserer Linken auf und wir zögerten nicht lange, hielten an und gesellten uns zu den anderen badenden Menschen, die das kühle und erfrischende Nass in dieser Hitze genossen. Schon bald war ich der soziale Knotenpunkt am Schwimmbeckenrand und musste meine Tauch- und Springfertigkeiten zum Besten geben, während alle versuchten mich nachzuahmen. Besonders der Seemansköpper fiel den meisten sehr schwer, da sich beim Sprung mit angelegten Händen am Körper, der natürliche Überlebensinstinkt den Kopf zu schützen einschaltet und man diesen Reflex schlecht abschalten kann. Das Wasser war so kalt, das ich tatsächlich kurzzeitig fror, doch wieder zurück im Lastwagen wünschte ich mich sehr schnell zurück ins kühle Nass, das wir schon sehr bald wieder weit hinter uns gelassen hatten. Wir passierten Qysylorda und Türkystan und gegen 20:30 Uhr auch Schymkent. Ich verabschiedete mich von Ulan und bedankte mich für die 1300 Kilometer, die er mich bis nach Shymkent mitgenommen hatte – was eine Distanz! Bis ins Zentrum von Schymkent waren es noch über fünfzehn Kilometer. Glücklicherweise wurde ich schnell mitgenommen und musste anschließend nur fünf Kilometer laufen. Es war schwül und heiß – grob immer noch 36 °C – und ich hatte großen Hunger. Nachdem ich meine Bleibe für die Nacht gefunden und mich einquatiert hatte, machte ich mich so schnell wie möglich auf die Suche nach etwas Leckerem und Essbaren. Ich kaufte Lebensmittel wie Reis, Wasser und eine saftige Melone. Zusätzlich entschied ich mich neben dem Einkauf auch für einen Schawarma vom Händler an der Straße, direkt auf die Hand. Gierig verschlang ich den Schawarma. Ein großer Fehler. Keine dreißig Minuten nach dem Verzehr begann es gewaltig in meinem Bauch zu rumoren. Ich hatte mir soeben meine nächste Lebensmittelvergiftung eingefangen.























Die folgenden Tage verbrachte ich logischerweise damit die Lebensmittelvergiftung auszukurieren. Während die Temperaturen über den Tag 43° Celsius erreichten, lag ich den 04.07.2025 mit Bauchkrämpfen in einem klimatisierten Raum im Bett und sprang alle dreißig Minuten auf, um auf die Toilette zu rennen. Leider war die Klimaanlage über den Tag nicht sehr effizient, der Raum immer noch verhältnismäßig warm und die Luft sehr trocken. So verstrich der Tag, während die Stadt wie gelämt schien. Es war so heiß, das selbst die Einheimischen nur im Schatten herumlungerten und darauf warteten, dass die Sonne endlich unterging.

Am Mittag des 05.07.2025 ging es mir soweit so gut, dass ich mich mit Kyanish in der klimatissierten Einkaufsmeile von Schymkent auf ein kaltes Getränk treffen konnte. Ich hatte Kyanish über Couchsurfing kennen gelernt. Nachdem wir den Nachmittag bei Kyanish Zuhause im Kühlen totgeschlagen hatten und ich anschließend meine Sachen in ein teureres aber besser klimatisiertes Hostel gebracht hatte, zeigte er mir Schymkent bei Abenddämmerung und bei Nacht. Besonders die Frischwasserquelle in der Nähe des Unabhängigkeitsparks, an der die ganze Stadt zusammen zu kommen schien, war ein Highlight. Mit Kanistern und Flaschen beladen pilgerten die Einheimischen zur Wasserquelle mitten im grünen Park und füllten ihre Wasservorräte für die nächsten Tage auf. Keine zweihundert Meter weiter wurde im selben Strom dann bereits gebadet. Ein Gewimmel bei Nacht wie in einem Ameisenhaufen. Familien, Freunde und Bekannte kamen zusammen, um sich endlich von der Hitze zu befreien und den Schweiß des Tages abzuwaschen.









Ich brauchte den ganzen nächsten Tag bis zum Abend des 06.07.2025, um die Lebensmittelvergiftung einigermaßen in Griff zu bekommen. Trockengebäck wie Zwieback oder Salzstangen in Kombination mit Bananen in mich hineinschiebend, schrieb ich am nächsten Blogeintrag oder döste einfach vor mich hin und hörte ein Hörbuch. Es hieß, dass die Hitze in den nächsten Tagen weniger werden sollte. Dies wollte ich zu meinem Vorteil nutzen und am nächsten Tag nach Taschkent aufbrechen.
If you see this after your page is loaded completely, leafletJS files are missing.
