Von Garmisch-Partenkirchen nach Bozen

Am Mittwoch, dem Morgen des 02.04.2025, begrüßte mich ein strahlend blauer Himmel. Jetzt konnte es wirklich losgehen. Entgegen meiner Haltung vom Vortag entschied ich mich dafür, nun doch für 66 Euro auf die Zugspitze zu fahren. Leider verpasste ich knapp die Bahn und musste auf die nächste warten. Dann ging es los in Richtung Zugspitze. Erst durchs Tal und dann immer steiler den Berg hinauf. Je höher sich die Zahnradbahn den Berg hinauf bewegte, desto weißer und kälter wurde es. Um ganz auf die Spitze zu kommen, musste ich noch eine weitere Gondel nehmen. Dann stand ich plötzlich bei −10 °C auf dem höchsten Berg Deutschlands. Das Weiß der schneebedeckten Berge der Alpen blendete mich und meine Augen fingen an zu tränen. Als ich meine Kamera zückte um Bilder zu machen, entzog der eisige Wind meinen Fingern schnell die Wärme. Die 66 Euro sollten sich ja auch gelohnt haben.

Ungefähr zwei Stunden später nahm ich die Gondel zurück ins Tal und danach die Zahnradbahn in Richtung Garmisch-Partenkirchen. Ich sammelte meinen Rucksack bei Louise ein, verabschiedete mich von ihr und machte mich zu Fuß auf in Richtung Mittenwald. Dies war der erste Tag, an dem ich bei trockenem Wetter unterwegs war. Aufgrund der Hitze und dem Gewicht meines Rucksacks war ich schnell in Schweiß gebadet und bald genau so nass, wie bei Regen. Während ich in Richtung Mittenwald wanderte, tauschte ich alle Stunde T-Shirt und Socken, während das andere Paar hinten am Rucksack trocknen konnte. Als die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand, begann ich nach einem geeigneten Zeltplatz zu suchen und wurde schnell fündig. Dies war das erste Mal auf der Reise, dass ich draußen im Zelt übernachtete. Unter sternenklarem Himmel wurde es schnell kalt, sodass ich mich warm einpacken musste, um nicht zu frieren. Als ich am frühen Morgen aufwachte, war meine Atemluft an der Innenseite des Zeltes zu Eis gefroren und auch die Außenseite des Zelts war mit einer Schicht von Eiskristallen bedeckt.

Am 03.04.2025 ging es dann zu Fuß weiter nach Mittenwald und dann nach Scharnitz. Auf dem Weg nach Scharnitz überquerte ich die erste Grenze, nämlich die nach Österreich. Tatsächlich begannen meine Füße bald wehzutun, sodass ich mich entschied zu trempen. Fünfzehn Minuten später saß ich in einem Auto in Richtung Innsbruck. In Innsbruck suchte ich mir ein Hostel im Stadtkern. Dann machte ich mich auf die Stadt näher kennenzulernen. Innsbruck war sehr lebendig und viele junge Leute gingen sportlichen Aktivitäten nach. Später erkundete ich Innsbruck auch bei Nacht und endete im Irish Pub, wo ich Rosalia kennenlernte, mit der ich mich lange unterhielt, bis der Laden schloss.

Am 04.04.2025 beschloss ich über den Brenner bis nach Brixen zu trempen, doch es stellte sich heraus, dass es anders kommen sollte. Ich wurde von zwei sympathischen Jungs aufgesammelt, die beruflich zu einem Winetasting nach Bozen unterwegs waren. Da es über den Brenner ging und Straßenmaut gezahlt werden musste, konnten sie nicht einfach von der Autobahn abfahren, um mich in Brixen abzusetzen. So stand ich kurzerhand zwei Stunden später in Bozen und hatte zu allem Übel meine Isomatte bei ihnen im Auto liegen lassen. Das hieß, eine neue Isomatte musste her und zwar schnell. Also marschierte ich in den Stadtkern von Bozen und besorgte mir eine neue. Gleichzeitig verschickte ich spontane Couchsurfinganfragen, mit dem Hintergedanken, nicht schon wieder ein Hostel nehmen zu müssen. Doch die Anfrage schien zu spontan zu sein. Also doch ein Hostel. Nur als ich dort ankam, war dieses bereits bis auf das letzte Bett ausgebucht. Ich war nicht bereit, über 100 Euro für ein Hotel auszugeben und Zelten war in Bozen unmöglich. Also beschloss ich kurzerhand gen Norden aus Bozen raus zu laufen und dort irgendwo einen Platz zum Campen zu finden.
Ich hatte mich gerade auf den Weg gemacht und meinen Rucksack geschultert, als mich eine Nachricht von Couchsurfing erreichte. Stefano, ein Musiker aus Bozen, hatte meine Nachricht gerade rechtzeitig gelesen und eingewilligt, mich zu hosten. Ich war sehr froh über diese Option und machte mich auf in Richtung Stadtkern. Ich wurde von Stefano mit viel Engagement empfangen und durfte sogar eine Wollwäsche anschmeißen. Am Abend wollte Stefano ein Konzert in Kaltern besuchen, wo junge Musiker aufführten und fragte mich, ob ich nicht mitkommen wolle. Gerne nahm ich die Einladung an. Nach dem Konzert im Weinkeller kehrten wir noch auf ein schnelles Getränk und eine Pizza in einem Restaurant ein, bevor es mit dem Bus zurück nach Bozen ging. Stefano bot mir an, noch einen weitern Tag bei ihm zu verbringen und da ich so spontan in Bozen gelandet war, willigte ich ein. Denn einen Plan, wie es weitergehen sollte, gab es noch nicht.

Am Morgen des 05.04.2025 plante ich meine nächsten Schritte. Während Stefano außer Haus war, hatte er mir einen separaten Haustürschlüssel für sein Appartement dagelassen, sodass ich kommen und gehen konnte, wann ich wollte. Zuerst einmal brachte ich eine neue, durchdachtere Ordnung in meinen Rucksack, bevor ich mich aufmachte Bozen zu erkunden. Am Nachmittag stand mein neuer grober Plan: Ich wollte von Bozen zur Seiser Alm und von dort weiter zu den Drei Zinnen. Nachdem Stefano mir bei der Routenfindung zur Alm kräftig weiter half, kochten wir uns zum Abend Carbonara mit einem leckeren Salat dabei. Das Essen schmeckte vortrefflich. Den Abend rundeten wir mit dem Erlernen der Oboe und einem Spaziergang durchs abendliche Bozen ab, während Stefano sein Wissen über die Stadt mit mir teilte.

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