Am 26.04.2025 verließ ich Belgrad in Richtung Osten und rumänische Grenze. Dabei hatte ich es mir zu einer Regel gemacht, bei großen Städten die öffentlichen Verkehrsmittel mitbenutzen zu dürfen, anstatt zu versuchen aus der Stadt hinaus zu trampen oder zu laufen. Denn zu laufen oder zu trampen bedeutete meist mehrere verlorene Stunden, wenn man es überhaupt aus der Stadt hinaus schaffte, so wie in Slowenien, Ljubljana. Also nutzte ich den kostenlosen Buss- und Bahnservice Beograds, um mit der 50 und dann der 302 nach Grocka zu gelangen. Von dort aus trampte ich wieder und wurde ca. eine Stunde später von einem Autotransporter bis in die Nähe von Kusiće mitgenommen. Von dort lief ich eine Zeitlang an einer Parallelstraße der Schnellstraße entlang, bevor ich eine Stelle fand, an der der Sicherheitszaun unterbrochen war, sodass ich mich an einer geeigneten Stelle platzieren konnte. Nur wenige Minuten später nahm mich ein älteres französisches Ehepaar mit bis nach Golubac. Mit meinem gebrochenem Französisch versuchte ich ihnen mein Vorhaben zu erklären, bevor sie mich wieder absetzten. Mein Französisch war erschreckend eingerostet.
In Golubac, es war mitlerweile schon nach 17 Uhr, entschied ich mich kurzerhand eine Unterkunft über Booking.com zu finden. Kurze Zeit später, 15 Euro ärmer, aber um eine kleine Wohnung und wohltuhende Dusche reicher, machte ich mich auf die Suche nach etwas Essbarem. Zwar fand ich nichts besonderes aber wurde satt. Immer wieder griff ich in letzter Zeit zu den gut belegten Sandwitches, die bei umgerechnet zwei Euro lagen; billig, lecker und gut. Eigentlich hatte ich heute zelten wollen, aber ein Grummeln in der Ferne und ein sich schnell von Osten zuziehender Himmel, der immer dunkler und bedrohlicher wurde, bestätigten mich darin, dass ich für heute richtig gehandelt hatte. Während ich an der Promenade von Gobulac entlanglief, wurde es stetig kühler und windiger. Eine weile setzte ich mich auf eine Bank und schaute zwei Fischern beim Angeln zu. Dann begann es zu regnen. Erst frischte der Wind auf, dann fielen die ersten dicken Regentropfen. Es Blitzte und Donnerte und ich konnte die Wand aus Regen erkennen die sich Gobulac näherte. Es regnete heftig und es regnete viel, während ich in meinem Doppelbett in den nächsten Tag hinein schlief und froh war nicht zelten zu müssen.




Am Morgen des 27.04.2025 hatte es aufgehört zu regnen und ich machte mich von Gobulac auf weiter in Richtung rumänische Grenze. Woran ich nicht gedacht hatte: Es war Sonntag und deutlich weniger Menschen waren mit dem Auto unterwegs. So lief ich mit meinem Rucksack aus Gobulac hinaus und folgte der Straße bis ich auf die Festung Gobulac stieß und kurzerhand entschloss, mir die Burg genauer anzuschauen. Zwar war der Eintrittspreis von 1200 Serbischen Dinar eine deftige Summe, aber in Rumänien würde der Dinar mir gar nichts mehr nützen. Die nächsten zwei Stunden verbrachte ich also damit, mit meiner Kamera über das Burggelände zu wandern und Tourist zu spielen. Da ich durch die Burgbesichtigung kostbare Zeit fürs trampen opferte, schaffte ich es am 27.04. nur noch bis Donji Milanovac. Genau dort, wo die Donau eine Biegung macht, schlug ich mich letztendlich landeinwärts durch die Vegetation in Richtung Miroč. Miroč selbst währe viel zu weit gewesen, dafür hatte ich den Plan oben auf einer Bergkuppe mein Zelt aufzuschlagen. Gedacht, getan: eineinhalb Stunden später erreichte ich die Bergkuppe, nur war diese leider mit Büschen und dornigem Gestrüpp so überwuchert, dass ich eine Stelle weiter am Hang als meinen Zeltplatz auserkor. Die stelle war mir bei meinem Weg auf die Kuppe aufgefallen, und diente hervorragend meinem Übernachtungsvorhaben. Einige große Eichen hatten genug Platz für einen schönen Laubboden geschaffen. Immer noch roch es rauchig-holzig. Auf meinem Weg den Berg hinauf, war ich an mehreren schwelenden, runden, Iglus gleichenden Bauwerken vorbei gekommen, aus denen Rauch austrat und die die Luft mit dem Geruch verbrannten Holzes schwängerten. Ich hatte die Vermutung, das hier auf traditionelle Art und Weise Holzkohle hergestellt wurde, sicher war ich mir allerdings nicht. Ich schlug mein Zelt also unter den Eichen auf, schaute mir durch die Zweige an, wie die Sonne hinter dem Bergen der Donau versank und ging dann selbst schlafen.



Am 28.04.2025 wurde ich von lautem Vogelgezwitscher und der Wärme der Sonne, die nun von Osten kam, geweckt. Noch ein wenig verschlafen machte ich mich daran mein Zeltlager abzubrechen und kratzte mich dabei über den juckenden rechten Unterarm. Plötzlich war ich hellwach, denn das jucken kam nicht von ungefähr. Eine große Zecke hatte sich meinen Arm als ihr neues Lebensumfeld gewählt. Ich zückte mein Schweizer-Taschenmesser und rückte ihr mit der Pinzette zuleibe. Als ich abgebaut hatte und die gestrige Strecke den Berg hinunter gelaufen war, trampte ich von Donji Milanovac weiter bis zur Rumänischen Grenze. Doch da ich schon früh losgezogen war, musste ich lange Zeit auf einen Lift warten, da kaum ein Auto unterwegs war. Gegen Mittag schaffte ich es endlich zu Grenze, und dies sogar mit gefülltem Magen. Denn ich hatte das unverschämte Glück, von meinem großzügigen Fahrer zum Mittagessen eingeladen zu werden. Da ich all mein Essen am gestrigen Tag aufgebraucht hatte und mich am Morgen schon vom Rest Trockenmüsli hatte ernähren müssen, war ich sehr dankbar für eine gute Portion Essen. Kurz vor der Grenze wurde ich abgesetzt. Als ich zu Fuß zum Grenzposten kam, stieß ich direkt auf ein weiteres Problem: Die Grenze konnte nur im Auto überquert werden. Glücklicherweise klärte sich die Situation relativ schnell, als der Grenzposten das nächste Auto einfach Anhielt und mir bedeutete dort einzusteigen. Die Insassen im Auto schien das nicht zu stören und so wurde ich von ihnen mit über die Grenze und sogar bis zur nächsten großen Stadt, Drobeta Turnu Severin, mitgenommen. Dort brauchte es eine kleine Weile bis ich nach einem stürmischen kurzen Lift einen Volltreffer nach Craiova landete. Ein kleiner Lastwagen, der ein Defektes Auto transportierte, hielt an. Anscheinend sah man mir heute meinen Hunger wortwörtlich an, denn auch auf dieser Fahrt kam der LKW-Fahrer nach dem Tanken mit zwei Hotdogs und einer Cola zurück und drückte mir Getränk und Essen in die Hände. Manchmal weiß das Universum einfach genau, wenn man wirklich hungrig ist und hilft aus. Vielleicht sind die Rumänen aber auch einfach nur sehr gastfreundlich. Da der Laster direkt bis nach Craiova fuhr, änderte ich meinen Plan tiefer in die Karpaten zu Reisen. Nicht zuletzt trug der Kommentar des Lasterfahrers: „The mountains is very berry“ dazu bei. Einen Tag später erfuhr ich auf meinem Weg nach Bukarest, dass kürzlich wieder eine Frau bzw. ein Mädchen gestorben war, da sie vor einem Bären flüchten musste, und aus Angst in ein Gewässer gesprungen und dort anschließend ertrunken war, denn schwimmen konnte sie nicht. In Craiova suchte ich mir eine günstige Unterkunft und erkundete anschließend die Stadt, denn es gab viele architektonische Leckerbissen zu bestaunen.



Am Nächsten Tag, dem 29.04.2025, machte ich mich von Craiova in Richtung Bucutești/Bukarest auf. Dieses mal versuchte ich aus der Stadt heraus zu trampen, was tatsächlich auch funktionierte, nur ging es kurze Zeit später in die falsche Richtung. Zwar hatte ich auf meinem Handy gezeigt wo ich hin wollte, doch dies wurde geflissentlich ignoriert oder eher gesagt nicht verstanden. So landete ich in Balș, anstatt wie geplant in Caracal. Ansich war die Richtung in Ordnung, doch da Balș nördlich von der nun anvisierten Hauptverkehrsader lag, musste ich dorthin zurück finden. Zwei Stunden verstrichen mit Laufen, dann stand ich wieder an der Schnellstraße und versuchte mein Glück. Es dauerte eine Weile, nocheinmal eineinhalb Stunden und einige strategische Repositionierungen später, bis ich mitgenommen wurde. Und dann lief alles wie geschmiert. Mit konstanten 120 km/h ging es nach Pitesti, wo ich an einem sehr guten Platz, neben einer Tankstelle abgesetzt wurde. So musste ich nich lange warten, bis das nächste Auto für mich hielt und mich direkt bis nach Bukarest mitnahm. Auf dem Weg nach Bukarest erfuhr ich, dass das Schulsystem rumäniens so überlastet ist, dass es für die jungen Menschen Unterricht am Morgen und für die Älteren Unterricht am Nachmittag gibt, damit alle Bildung erhalten können.


If you see this after your page is loaded completely, leafletJS files are missing.
