Als ich am Donnerstag Abend in Tbilisi ankam hatte ich erst einmal Schwierigkeiten herauszufinden, wo der Stadtkern bzw. das Zentrum der Stadt liegt. Tiflis ist eine sehr lang gezogene Stadt, verfügt jedoch über eine zügige Metro und viele, etwas langsamere, Busse und Kleinbusse, um die Distanzen zu überbrücken. Für umgerechnet einen Euro kann man mit einem speziellen Tarif für 24 Stunden alle öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Leider entdeckte ich diesen Tarif erst, als ich bereits einige Tage in Tiflis verbracht hatte. So checkte ich zu Fuß in eines der vielen Hostels nicht allzu weit der Altstadt ein und organisierste mich neu. Dort traf ich auf Mora, der mir einen heißen Tipp bezüglich meiner Reisepläne und Visaanstrengungen gab.





Als ich am Morgen des 20.06.2025 aufwachte, hatte ich einen Plan gefasst. Ich stand auf, checkte aus, und machte mich zu Fuß auf den Weg durch die Stadt, Moras Kontakt aufzusuchen. Wenige Stunden später hielt ich eine beglaubigte und ins Georgische übersetzte Kopie meines Reisepasses in den Händen. So weit so gut. Da die Dame über einen guten Drucker verfügte, fragte ich sie gleich, ob sie nicht auch für einen kleinen Aufpreis meinen ausgefüllten Visaantrag und die Auslandskrankenkassenbescheinigung ausdrucken könne. Ich unterschrieb den Visaantrag und tackerte eines der in Kutaissi angefertigten Passbilder an den korrekten Platz im Dokument. Es war geschafft. Jetzt verfügte ich über alle Dokumente, die ich nach Deutschland senden musste, damit Koenig Tours mein Touristenvisa für Russland beantragen konnte. Ein ausgefüllter und unterschriebener Visaantrag mit Passbild, die Auslandskrankenkassenbescheinigung und meinen Reisepass. Mit der beglaubigten Kopie meines Reisepasses, die mich grob zehn Euro gekostet hatte, würde ich dennoch mobil sein und in Georgien umherreisen können, während ich auf die Ausstellung des Touristenvisums für Russland wartete. Jetzt mussten die Dokumente nur noch auf dem schnellsten Wege nach Deutschland gelangen. Ich entschied mich meine Dokumente mit DHL zu verschicken und machte mich mit meinem Rucksack auf dem Rücken auf zur einzigen DHL Filiale in Tiflis. Vier Kilometer später kam ich in Schweiß gebadet an der Packstation an und brachte mein Anliegen vor. Nachdem die Dokumente fein eingepackt und versiegelt worden waren, wurde ich zum Zahlen zu einem zweiten Schalter gebeten. Das wären dann 256 Lari bitte, erklärte mir die Dame auf der anderen Seite des Schalters. Klar kein Problem erwiederte ich, bevor mich die Realität ins Gesicht traf. Wie bitte, 256 Lari? Das waren umgerechnet 85 Euro. Fieberhaft suchte ich vergebens in meinem Portemonnaie nach der gefragten Summe, doch ich hatte nur noch knapp 100 Lari bar dabei. Folglich begab ich mich auf die Suche nach einem ATM. Doch der nächste Geldautomat, war defekt und beim Zweiten erfuhr ich, dass mein Limit auf der Kreditkarte fast erreicht war und die gewünschte Summe das Limit überschritt. Somit konnte ich nicht den gewünschten Betrag abheben. Ich hatte den Visadienst Koenig Tours‘ nicht berücksichtigt, den ich Tage zuvor in Auftrag gegeben hatte und der nun von meiner Kreditkarte abgebucht worden war. Ich lief zurück zur Packstation fragte nach WiFi und versuchte via Onlinebanking das Kreditkartenlimit zu erhöhen. Doch aus mir unerklärlichen Gründen erreichte ich nur, dass mein Sm@rt-Tan plus Verfahren gesperrt wurde. Vermutlich war es der Umstand, dass ich aus dem Ausland agierte, das schlechte Internet oder meine multiplen Versuche das Limit ohne Erfolg zu erhöhen, oder vermutlich gleich alle drei Faktoren. Somit verlor ich in einem Rutsch den Zugang zu meinem Onlinebanking und meine Liquidität. Langsam gingen mir die Optionen aus. Es war Freitag und meine Bank in Deutschland hatte gerade rechtzeitig geschlossen und würde erst am kommenden Montag wieder öffnen. Unverrichteter Dinge musste ich mich geschlagen geben und schlenderte stattdessen an geschäftigem Treiben entlang der Märkte in Richtung Hostel. Mit nur sehr wenig Geld würde ich genau darauf achten müssen, wie ich die nächsten Tage über die Runden kam.














Glücklicherweise stieß ich über Couchsurfing auf Ucha, der mich über das Wochenende aufnahm. So verbrachte ich den 21.06.2025 bis einschließlich 23.06.2025 bei Ucha. Zusammen ließen wir es langsam angehen. Über das Wochenende, besuchten wir den neuen Park in der Nähe, aßen und tranken zusammen und trafen uns mit Uchas Freunden am Abend. Zwischendurch redeten wir viel übers Reisen und Ucha zeigte mir seine erstaunliche Geldsammlung aus aller Welt. Am Morgen des 23.06.2025 setzte ich mich in einen McDonald’s, damit ich Internet hatte (meine eSim funktionierte immer noch nicht in Georgien) und wartete darauf, dass mich meine Mutter kontaktierte. Bereits am Freitag hatte ich meine Mutter über meine Situation in Kenntnis gesetzt und sie hatte sich freundlicherweise dazu bereit erklärt, die Bank in Deutschland persönlich aufzusuchen, um dort vor Ort meine Situation zu schildern und hoffentlich zu klären. Und so kam es auch. Durch Ihre Hilfe wurde das Limit der Creditkarte um 500 Euro angehoben und ich konnte das Tan-Verfahren mit Hilfe einiger zugesendeter Dokumente wieder entsperren – dafür war ich meiner Mutter sehr dankbar. Es ist ein komisches Gefühl gar kein Geld zur Verfügugng zu haben, aber machbar. Besonders durch Uchas Hilfe überstand ich die vier Tage Freitag bis Dienstag ohne Geld gut. Allerdings erwartete Ucha weitere Gäste. So verabschiedete ich mich am Morgen des 24.06.2025 von Ucha. Während ich bei Ucha zu Besuch gewesen war, hatte ich viel Zeit gehabt über die Visasituation und meinen zukünftigen Reiseweg nachzudenken. Irgendwann kam ich zu dem Schluss, dass das Universum versucht hatte mir ein Zeichen zu geben. Alle meine Anstrengungen, das Paket mit den Dokumenten nach Deutschland zu senden, waren gescheitert. Es schien fast so, als ob das Universum sagen würde: Geh nicht durch Russland – suche dir einen anderen Zeitpunkt und andere geographische Lage, aber hier und jetzt soll es nicht sein. Tatsächlich hatte Amerika vor ein paar Tagen den Iran angegriffen. Somit war bestimmt auch in Russland, als Verbündeter des Irans, die Stimmung angespannt. Tief hörte ich in mich hinein und kam zu einer Entscheidung. Ja, ich würde den Flug von Tiflis, Georgien, nach Atyrau, Kasachstan nehmen. Zwar platzte damit mein Versuch, auf dem Landweg und nur trampend und wandernd die Mongolei zu erreichen, doch barg der Luftweg in meinen Augen mehr Sicherheit. Der Entschluss war gefallen und es fühlte sich richtig an.
















Wieder liquide buchte ich in aller Ruhe bei Dimitri den nächsten direkten Flug von Tiflis nach Atyrau. Für die letzten drei Tage in Tiflis war ich bei Dimitri und seinem Kumpel untergekommen. Dimitri ging sogar so weit, mir sein eigenes Zimmer zu überlassen und bestand darauf, selbst auf dem Sofa zu übernachten. Ich schlief gut die nächsten Nächte und erkundete ausgeschlafen die Stadt Tiflis bei Tag. So verflogen der 24.06.2025, 25.06.2025 und 26.06.2025 im Nu. Wie ein braver Tourist besichtigte ich die Chronik von Georgien, erkundete mit Zahra (einer engangierten Frau von Couchsurfing die darauf brannte mir die Stadt zu zeigen) die Altstadt von Tiflis, besichtigte die Friedensbrücke, Metechi-Kirche und Semeba-Kathedrale und bestieg den Mtatsminda Mountain mit dem Pantheon und Funicular Park. Neben Weineis und und weiten Ausblicken über die Stadt, genoss ich besonders das Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein. An Koenig Tours hatte ich eine Widerrufserklärung zur Stornierung des Visaverfahrens gesendet und mein Abflug von Tiflis war für den 27.06.2025 um 09:30 Uhr geplant. Die letzten Abende mit Dimitri und seinem Freund waren gefüllt mit Diskussionen über Lieblingsfilme und Lieblingsschauspieler, während die zwei mich gnadenlos unter den Tisch tranken. Denn neben einem einfachen Abendessen wie Bratkartoffeln mit Leberkäse, wurde immer wieder hochprozentiger Chacha ausgeschenkt und mit Cola gelöscht. Ein zusätzliches Bierglas, an dem ich immer nur nippte, wurde stets nachgefüllt, wenn es das Stadium halbvoll-halbleer erreichte und auf dem großen Fernseher lief ein Film nach dem Nächsten. Eine gute Erfahrung, die meinen Aufenthalt in Georgien abschloss.









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