Der Weg nach Belgrad

Erst um kurz nach elf machte ich mich von meinem Hostel im Sarajewo wieder gen Straße und Osten auf. Mein Ziel für heute bestand darin, so weit wie möglich in Richtung Serbien vorzustoßen. Während ich einen passenden Ort zum Trampen suchte, zogen langsam Wolken auf und es begann leicht zu tröpfeln. Über die nächsten fünf Stunden und drei Autostopps später hatte ich es bis nach Višegrad geschafft, das Gewitter immer einen Schritt hinter mir und den Fluss Drina zur Rechten. Kurz vor Višegrad wurde es immer bergiger und bald glich die Umgebung mit ihren Bergen und dem Fluss Drina eher einer Fjordlandschaft. In Višegrad schaute ich mir die Mehmed-Paša-Sokolović-Brücke, oder auch Drinabrücke an, ein ca. 180 Meter langes Bauwerk aus dem im 16. Jahrhundert. Dann begann es zu blitzen, zu donnern und zu regnen. Das Gewitter hatte mich nun doch erreicht. Da es auch schon recht spät war, bestellte ich mir in einem Touristenrestaurant eine der schlechtesten Pizzen mit Ersatzkäse, die ich je gegessen hatte – vielleicht war ich aber auch nun Besseres aus Italien gewöhnt – und schaute mich nach einer Übernachtungsmöglichkeit um. Ich entschied mich für das Guesthouse Jelena und konnte auf diese Weise auch meine letzten Euro, die ich immer noch im Portemonnaie hatte, verwerten.

Am nächsten Morgen, dem 22.04.2025, ging es dann von Višegrad weiter über die serbische Grenze nach Užice und Čačak bis nach Belgrad – hier umgangssprachlich auch Beograd genannt. Auf dem Weg dorthin traf ich viele interessante Menschen wie Ðorđe – der während der Fahrt seine Beatboxingskills zeigte – oder Jovana, die mich an diesem Tag die größte Distanz bis ins Zentrum von Belgrad fuhr. Nochmals Danke dafür! Während ich durch die Innenstadt von Belgrad schlenderte, gab es nur geringe Hinweise darauf, dass es hier in letzter Zeit zu Großdemonstrationen gekommen war. Die Menschen waren freundlich, saßen in Cafés oder gingen ihrem Leben nach. Ich verbrachte die Nacht im Hostel Good People und gönnte mir zum Abendbrot einen saftigen Burger mit Pommes. Irgendwie hatte ich da Lust drauf nach der eher mäßigen Pizza vom Vorabend. Ich denke ich sollte sowieso mehr die lokale Küche kennenlernen!

Am 23.04.2025 inspizierte ich Belgrad genauer und schaute mir diverse Sehenswürdigkeiten an, bevor es mit dem Bus 47 (Busse und Bahnen sind in Belgrad umsonst) zu meinem Couchsurfinghost Ivan, etwas südlich außerhalb der Stadt ging. So war mein erstes Ziel die historische Burganlage Belgrads. Ich schlenderte die großen Burgruinen entlang und legte einen kurzen Stop im Burgladen ein, wo ich auf die vom Mittelalter begeisterte Verkäuferin Jelena stieß, mit der ich mich einige Zeit unterhielt und die mir den historischen Hintergrund einiger Stücke im Laden verriet. Nachdem ich wieder die sonnige Burganlage betrat, traf ich auf einen blinden Franzosen, der mich fragte, ob ich ein Foto von ihm machen könnte. Nur stand er leider an einem äußerst ungünstigen Platz. So führte ich ihn ein wenig auf dem Burggelände umher, machte Fotos von ihm mit der Burg im Hintergrund und erzählte ihm, was ich sah. Sein Gesicht strahlte vor Freude, obwohl er nichts sehen konnte. Nach einiger Zeit trennten wir uns wieder und ich machte mich auf den Weg zur orthodoxen Kirche des Heiligen Markus und danach zum Dom des Heiligen Sava, beides sehr beeindruckende Bauwerke. Als ich den Dom verließ, bemerkte ich zu meiner Rechten einen Verkäufer, der kleine Bildnisse feilbot, und entdeckte ein Detail, das mich überaschte und zum Nachdenken anregte.
Ich erreichte Ivan am späten Abend. Ivan war Grafikdesigner und seine Wohnung wurde von vielen interressanten AI-Bildern geschmückt, hauptsächlich architektonischer Art, berühmten Baustilen nachempfunden.

Die nächsten zwei Tage ließ ich es dann aber langsam angehen. Ich war so viel herumgekommen und umhergelaufen, dass es mich nach ein wenig mehr Ruhe sehnte. Und so verstrichen der 24.04.2025 und 25.04.2025, während ich mich auf die Weiterreise in Richtung Karpaten vorbereitete. Ich konnte bei Ivan meine Wäsche waschen und ab und an kamen wir ins Gespräch über AI. Wir theoretisierten darüber, wie diese sich in näherer Zukunft entwickeln würde und gingen zusammen einkaufen. Auf dem Weg zum Shoppingcenter machte mich Ivan auf Zigeuner aufmerksam, die sich in einem heruntergekommenen Hauskomplex aufhielten. Während einige von ihnen aktiv dabei waren, direkt an der Straßenseite Müll zu sortieren und ein Auto auseinanderzunehmen. Am Abend trieb es mich dann doch nochmal in die Innenstadt, wo ich Zlata traf und wir gemeinsam die Stadt unsicher machten und uns Dinge anschauten, die ich noch nicht gesehen hatte. So auch die von Menschen überlaufenen Randcafés mit der dazugehörigen serbischen Livemusik. Balkan Brass und Turbo-Folk standen hoch im Kurs.

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