Es nieselte leicht, als ich mich am Vormittag des 15.06.2025 von Dmitry verabschiedete und gen Süd-Osten zu Fuß die Stadt verließ. Nachdem mich ein Profibasketballer durch den ärgsten Regen bis nach Khashuri mitgenommen und mir zum Abschied ein äußerst leckeres Süßgebäck names Nazuki mit auf den Weg gegeben hatte, trampte ich weiter über Borjomi nach Akhaltsikhe. Die Menschen, die mich mitnahmen waren ausnahmslos freundlich und besonders eine Fahrt mit einem Geländewagen blieb im Gedächtnis. Als die Straße plötzlich von einer Asphaltstraße zu einer Schotterstraße mit großen Schlaglöchern mutierte, behielt der Fahrer das vorherige Tempo einfach bei und rauschte an allen anderen Autos, die die Löcher langsam umfuhren, wie auf Schienen vorbei. In Akhaltsikhe suchte ich mir schließlich einen Platz zum Schlafen. Es war spät und es regnete immer noch.





Um 09:30 Uhr brach ich am 16.06.2025 von Akhaltsikhe in Richtung Armenien wieder auf. Eigentlich hatte ich vor gehabt die aus dem 9. Jahrhundert stammende Burg Rabati genauer in Augenschein zu nehmen, doch die bereits eintreffenden Touristenscharen und der happige Eintrittspreis, änderten meine Meinung. Außerdem konnte man die Festungsanlage auch sehr gut von einem etwas weiter entfernten Hügel einsehen. Weiter ging es gen Süden. Ich passierte Aspindza und musste wenig später eine harte Entscheidung fällen: Wollte ich Wardsia sehen, eine in den Stein gearbeitete Tempelanlage aus dem 12. Jahrhundert, oder sollte ich das Trampen in Richtung Armenien und Gjumri priorisieren? Nach dem Prinzip, dass auf dieser Reise die Menschen und sozialen Kontakte oberste Priorität hatten, entschied ich mich dafür meinen Kontakt in Gjumri nicht warten zu lassen und gegen einen über 20 Kilometer langen Umweg nach Wardsia. Zumal ich überhaupt nicht einschätzen konnte, wie viel Zeit mich der Abstecher nach Wardsia kosten würde. Also stieg ich aus dem Auto aus, als es nach Wardsia abbog, um auf der Hauptader nach Armenien zu bleiben. Als ich kurze Zeit später wieder meinen Daumen rausstreckte passierten mich erst zwei Lastwagen, bevor ein alter Mercedes hielt. Ich stieg ein. Zügig ging es weiter. Plötzlich überholte uns von Hinten ein Polizeiauto und hielt abrupt in einer scharfen Linkskurve. Auch wir hielten an und stiegen aus, da wir mit der Polizei die Ersten an der Unfallstelle waren. Der Lastwagen, der noch vor ein paar Minuten an mir vorbeigefahren war, lag nun umgekippt längs der Straße. Der Fahrer hatte wohl die Kurve und Fliehkraft unterschätzt. Zwar war der Lastwagen auf seine rechte Seite gekippt, die Person im Laster war dabei jedoch unversehrt geblieben. Also fuhren wir weiter, als der Polizist uns signalisierte, er habe alles unter Kontrolle. Einige Autostops später hinter Akhalkalaki, half ich meinem neuen Weggefährten an der Grenze zu Armenien dabei, eine ganze zweite Stange Zigaretten zusätzlich aus der zollfreien Zone zu ergattern. Da man pro Person maximal eine Stange Zigaretten über die Grenze mitnehmen durfte, hatte er mich vermutlich genau mit diesem Hintergedanken von der Straße geklaubt, eine wunderbare Symbiose. Dafür, dass ich für ihn eine zusätzliche Packung Zigaretten über die Grenze brachte, konnte ich mir seiner Dankbarkeit und Dienste sicher sein, mich bis nach Gjumri mitzunehmen. In Gjumri traf ich mich dann wie verabredet am späten Nachmittag mit Ildar und seiner Freundin. Mit äußerst viel Enthusiasmus zeigten die Beiden mir die Stadt. Ich wurde von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit bugsiert, geschichtliche Fragen wurden erläutert und wir gingen im Anschluss gut aber günstig Essen. Wieder Zuhause bei Ildar fiel ich müde ins Bett.















Der Hauptgrund weshalb ich einen Abstecher nach Armenien machte war den Ararat zu sehen. So entschied ich am Morgen des 17.06.2025 spontan den Zug zu nehmen anstatt wie üblich zu trampen. Die Zugstrecke führte wesentlich näher am Ararat vorbei als die Hauptstraße von Gjumri nach Jerewan. Das Zugticket kostete knapp drei Euro, ich stieg ein und wartete erst einmal eine halbe Stunde bis der Zug sich langsam füllte und dann pünktlich losfuhr. Ich war extra ein wenig früher gekommen, da es nur drei Züge am Tag von Gjumri nach Jerewan gab: Einen am Morgen, einen am Mittag und einen am Abend. Ich nahm den Zug um 11:50 Uhr. Es wäre schade gewesen den Zug zu vepassen. Über drei Stunden ratterte der Zug nach Jerewan, während man zur Rechten zuerst flache Ebenen und dann den Ararat beobachten konnte – ein massiver Berg inmitten der Hochebene. Über die letzten zwei Tage war die grüne und üppige Vegetation Georgiens immer mehr weitläufigen Wiesen gewichen, die bis an den Horrizont reichten. In Jerewan angekommen, hatte ich das erste mal das Gefühl in eine art Wüstenstadt zu kommen. Die Luft war trocken, um die Stadt herum selbst gab es kaum Bäume, die Straßen waren staubiger und es war unerträglich heiß. Viele Menschen waren auf den Straßen, großen Plätzen und Parks unterwegs. Auch ich erkundete die Stadt zu Fuß und bestieg als Highlight die Kaskade von Jerewan. Die Kaskade ist ein Treppenkomplex, der die wohl beste Aussicht auf die Stadt, mit dem Ararat als Panoramahintergrund bietet. Während die Sonne sich langsam dem Horrizont zuneigte versammelten sich dort viele Menschen, sozialisierten sich und genossen einen ruhigen Moment.






Am Morgen des 18.06.2025 verließ ich die Stadt Jerewan bereits wieder. Zuvor wagte ich jedoch noch einen kleinen Abstecher in das Matenadaran, ein Museum für alte Manuskripte. Die Stadt Jerewan zu verlassen stellte eine Herausforderung dar, doch das störte mich wenig, hatte ich mich doch gut mit Lebensmitteln und Wasser eingedeckt und Zeit mitgebracht. Meine Laune war gut und ich lief mehrere Kilometer durch die Stadt hinaus gen Nord-Osten. Schon bald hielt ein erstes Auto mit zwei jungen Männern, die mich aus der Stadt herausfuhren und mir dabei noch mehr Essen und Wasser zusteckten. Den Hotdog aß ich noch direkt im Auto, mein Rucksack war voll und die Wasserflasche hielt ich in der Hand. Als ich wieder abgesetzt wurde und die breite Straße nach einem guten Trampingplatz absuchend entlang maschierte, passierte ich lauter Obsstände, die darauf hofften, dass ein Auto hielt. Und es hielt ein Auto, aber für mich. Ein Muay Thai Fighter namens Narek Khachikyan nahm mich den nächsten Abschnitt meiner Reise bis nach Sevan mit. Anscheinend meinte das Schicksal es heute gut mit mir, denn auch Narek bot mir Sandwiches und etwas zu Trinken an. Kurze Zeit später wurde ich von einem Berufstaucher aufgesammelt, der am Sevansee Wasser auffüllte. Durch Zufall landete ich durch Ihn direkt am Fuße des Sewanawank-Klosters, da der Fahrer dort eine kleine Bierbude führte. Ich ließ meinen Rucksack in der Bierbude zurück und machte mich auf zum Kloster. Die Treppe zum Klosterberg war gesäumt von Souvenierständen und einem Hotel, das den Blick von unten auf das Kloster erfolgreich versperrte. Oben auf dem Hügel jedoch, konnte man bis zum Horrizont sehen. Ein älterer Einheimischer mit zwei armenischen Flaggen in der einen Hand und den Zügeln eines Pferdes in der Anderen, versuchte verzweifelt für ein kleines Endgeld einen Pferderitt oder gar ein Erinnerungsfoto feilzubieten. Doch die meisten Touristen hatten nur Augen für die zwei Klöster, die dicht nebeneinander stehend die Szenerie dominierten. Bevor ich das geschäftige Treiben am Klosterberg hinter mir lassen konnte, bewog mich der Taucher sein überteuertes Zitrusbier zu kosten. Ich tat ihm den Gefallen und zog anschließend weiter. Wieder zurück an der Straße musste ich nicht lange warten, bis ich erneut aufgesammelt und bis nach Dilijan mitgenommen wurde. Zum dritten Mal an diesem Tag wurde ich zu Speis und Trank eingeladen, bevor ich abgesetzt wurde und bei schwindendem Tageslicht in Richtung Wanadsor einen Zeltplatz suchte. Ein wenig außerhalb der Stadt, einen steilen Hügel hinauf, wurde ich fündig und schlug mein Zeltlager auf. Als ich mich zum Schlafen auf die rechte Seite legte, hatte ich auf einmal Schwierigkeiten tief einzuatmen. Ein stechender Schmerz in der rechten Seite im oberen rechten Bauchbereich bzw. unteren rechten Rippenbereich hielt mich wach. Da ich in Armenien tatsächlich über Internet verfügte, recherchierte ich mögliche Ursachen. Diese reichten von muskulären Spannungen über Nervenreizungen bis hin zu Problemen mit der Gallenblase und Gallensteinen. Da ich nicht herausfand was es war, trank ich viel Wasser und wartete. Nach mehr als einer Stunde konnte ich wieder richtig und tief einatmen. Es war das zweite oder dritte Mal auf dieser Reise, dass ich genau diese Symptome und Schmerzen hatte und es fuchste mich, dass ich nicht herausfand, was es war. Ich legte mich zurück ins Zelt und döste langsam weg.








Am nächsten Morgen, dem 19.06.2025, war der Schmerz verschwunden. Ich frühstückte und packte mein Zelt zusammen, wobei ich einige Zeit warten musste, bis die Sonne das Zelt getrocknet hatte. Zwei zügige Autostops später – von Dilijan über Wanadsor nach Tumanyan – stand ich auf einmal irgendwo im Nirgendwo in der brühenden Mittagshitze. Als nach ca. einer Stunde ein LKW anhielt und mich mitnahm, war das Vergnügen leider nur von kurzer Dauer. Keine fünf Kilometer später wurde der Lastwagen von der Polizei gestoppt und meine Möglichkeit, über die Grenze direkt bis nach Tiflis mitgenommen zu werden, löste sich in Luft auf. Wie ich kurze Zeit später erfuhr, war der Grund dafür eine marode Straße. Während ich also wieder zu Fuß weiter musste, hatte der LKW-Fahrer keine andere Wahl als kehrt zu machen und sich einen anderen Weg nach Tiflis zu suchen. Keine fünfhundert Meter weiter war über eine Distanz von grob hundert Metern ein Großteil der Straße in das Tal abgerutscht. Gott sei Dank war der linke Rand der Straße noch passierbar. Das bedeutete, dass auch Autos fuhren. Über den Nachmittag wanderte und trampte ich so in kleinen Etappen an die Grenze zu Georgien, immer noch mein unaufgegessenes Müsli in einer Plastiktüte eingewickelt. Anscheinend sah ich damit so verloren aus, dass die Menschen aus Mitleid anhielten. Immer wenn ich versuchte das Müsli wieder auszupacken und zu essen, hielt bereits das nächste Auto. Kurz vor der Grenze, ich hatte das Müsli gerade wieder hervorgeholt, waren es dann zwei Armenier, die mich bis nach Tiflis mitnahmen.


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