Am Morgen des 05.06.2025 verließ ich Batumi gen Norden. Julia aus den Niederlanden, die ich im Hostel getroffen hatte, wollte ebenso in den Norden in Richtung Mestia. Also beschlossen wir sehr spontan, bis dorthin zusammen zu trampen. Noch bevor es richtig los ging besuchten wir den weitläufigen Botanischen Garten in Batumi, der nördlich der Stadt lag und somit genau auf unserem Weg. Als wir uns nach dem Besuch im botanischen Garten zu zweit an die Straße stellten und zu trampen begannen, mussten wir nicht lange warten, bis wir mitgenommen wurden. Drei unkomplizierte und schnelle Autostops später erreichten wir am späten Nachmittag Zugdidi. Da eine Übernachtung im Guesthouse nur umgerechnet fünf Euro pro Person kostete suchten wir uns eine der Optionen aus, checkten ein und erkundeten die Stadt. Wir besuchten das Schloss mit seinem Park und Aleen. Zu spät bemerkten wir unseren Hunger und mussten schlussendlich in einem McDonald’s zu Abend essen, da alle anderen Lokale bereits geschlossen hatten, welch Ironie. Ich entschied mich für einen Veggie Burger und Salat.


Am 06.06.2025 brachen Julia und ich erst einmal zu Fuß auf und durchquerten Zugdidi. Ca. eine Stunde später fanden wir einen geeigneten Platz zum Trampen und versuchten unser Glück. Eine halbe Stunde später saßen wir in einem Auto, dass uns bis nach Jvari mitnahm. In Jvari entschieden wir uns dafür nicht weiter zu trampen sondern eine Wanderung zu einem Wasserfall in Angriff zu nehmen, die Julia während der Fahrt entdeckt hatte. Als wir unser Gepäck aus dem Auto hievten und unsere Essenvorräte in einem kleinen Laden nur ein paar Meter weiter auffüllten, wurden wir zum Rasten und einem Umtrunk angehalten. Die Menschen, die uns mitgenommen hatten, hatten ebenso eine Pause eingelegt und Brot, Wurst und hochprozentigen Selbstgebrannten in Plastikbechern ausgepackt – auch als Chacha bekannt. Das alkoholische Getränk war stark und dieses hatte laut Aussage einen Alkoholgehalt von ca. 70 %. Chacha ist ein starker Tresterbrand der einen Alkoholgehalt zwischen 40 % und 85 % (bei Selbstgebranntem) erreichen kann. Wie Feuer rann es die Kehle hinunter. Nachdem wir versichert hatten, dass wir wirklich nicht mehr als das kleine bischen Chacha, das uns bereits eingeschenkt worden war, zu uns nehmen wollten, verabschiedeten wir uns. Für den gleichen Preis wie am Vortag buchten wir ein Guesthouse und luden unser Gepäck ab. Bevor wir zum Wasserfall aufbrachen, kochten wir eine Kleinigkeit – Reis mit Gemüse – dann ging es los.




Nur mit einer Wasserflasche, Kamera und kleinen Snacks bewaffnet machten wir uns auf den Weg. Laut Navigationsapp war die Wanderung bis zum Wasserfall grob neun bis zehn Kilometer lang und führte zuerst entlang kleiner aber befahrener Bergstraßen, bevor die letzten 2,5 Kilometer bis zum Wasserfall ausschließlich zu Fuß zurückgelegt werden mussten. Um den Straßenabschnitt möglichst kurz zu halten und auch weil es schon Nachmittag war, entschieden wir uns dafür, ein wenig zu Trampen, um den Strasenabschnitt, den wir laufen mussten, zu verkürzen. Und tatsächlich konnten wir so unsere Route ein klein wenig abkürzen. Zwei bis drei Kilometer wurden wir mitgenommen, bevor es wieder zu Fuß weiter ging. Entlang auf der Straße stehender Kühe und Schweine, bellender Hunde und dem konstanten Gezwitscher der Vögel, fanden wir unseren Weg von Jvari zum eigentlichen Beginn des Trails zum Intsra-Wasserfall. Es war warm und schwül, es herrschte eine hohe Luftfeuchtigkeit und die Sonne stand schon dichter am Horrizont als uns lieb war. Die 2,5 Kilometer Fußweg zum Wasserfall die noch vor uns lagen, waren geprägt durch eine Pipeline, die Wasser aus den Bergen in die Zivilisation führte. Immer wieder passierten wir kleinere aber auch einige größere undichte Abschnitte der Pipeline. Die größte undichte Stelle der Pipeline war schon von weitem zu sehen: Eine Große Fontaine, die die Baumwipfel umher in einen konstanten Dauerregen tauchte. Auch die Wiese um die undichte Stelle der Pipeline herum, sowie der Weg selbst, standen komplett unter Wasser. Dies war nur eines der vielen Hindernisse, die es zu überwinden galt. Nassgespritzt folgten wir dem immer schmaler und gefährlicher werdenden Wanderweg im schwindenden Licht bis zum Wasserfall. Die Mühe war es jedoch wert. Als wir um kurz nach 19 Uhr den Rückweg antraten, überholten wir ein jüngeres Paar, dass so aussah, als ob sie zu einem Sonntagsspaziergang aufgebrochen waren, der nicht ganz nach Plan verlaufen war. Wir grüßten und überholten, schließlich mussten wir wieder zehn Kilometer zurück nach Jvara laufen und es war schon spät. Als wir schon wieder auf der Straße waren wurden wir von dem jungen Paar im Auto eingeholt und sie nahmen uns einen Großteil der Strecke bis kurz vor Jvari mit, bevor sich unsere Wege wieder trennten. Erschöpft aber auch froh das alles Zeitlich funktioniert hatte, fanden wir bei einbrechender Dunkelheit nach diesem kleinen Abenteuer zurück zum Guesthouse. Dort fanden wir heraus, dass wir das Abendbrot knapp verpasst hatten, als drei weitere Gäste zufrieden und gesättigt die Küche des Guesthouses verließen. Wir stellten uns kurz vor, bevor wir selbst noch etwas kochten und dann ebenfalls zu Bett gingen.









Es war kurz nach acht Uhr Morgens, als mich Packgeräusche aus dem Schlaf fahren ließen. Die Gäste, die wir am gestrigen Abend kurz getroffen hatten packten ihren Geländewagen. Einer Eingebung folgend stand ich auf und fragte, wo es denn heute hingehen sollte. Die Antwort war Mestia … dort wollten wir doch auch hin. Plötzlich war ich hellwach und fragte, ob sie noch Platz für zwei weitere Personen in ihrem 4WD hatten – sie bejahten, würden aber in zwanzig Minuten bereits aufbrechen. So begann der 07.06.2025 ein wenig hektischer als geplant. Überstürzt weckte ich Julia und so schnell wir konnten packten wir unsere Rucksäcke. Zwanzig Minuten später saßen wir zusammen mit mit zwei Deutschen und einer Französin im Auto. Über mehrere Stunden lang fuhren wir mit dem Geländewagen immer weiter die kurvige Straße in die Berge hinauf. Schon bald wich der üppige Wald kargerer Vegetation und weitläufigen Berglandschaften. Nach etwa zweieinhalb bis drei Stunden Fahrt erreichten wir durchgerüttelt endlich Mestia. Es hatte einige Passagen der Straße gegeben, an der die Straße durch einen Bergrutsch plötzlich halb verschüttet worden war oder die Hälfte der Straße einfach fehlte und in den Abgrund gerutscht war. In Mestia verabschiedeten wir uns von den Drei und suchten eine Bleibe. Platz zum Campen hätze es genug gegeben aber Julia hatte kein Zelt dabei, meins war zu klein für zwei und außerdem konnte man sich so die Kosten für ein Zimmer teilen, was eine Übernachtung sehr erschwinglich machte. Im Durchschnitt wurden 30 Gel (Georgische Lari) für ein Zimmer verlangt, was ziemlich genau 10 Euro entspricht. Und 5 Euro für eine warme Dusche und ein warmes Bett sind nun wirklich nicht zu viel verlangt. Nachdem wir ein gutes Guesthouse ausfindig gemacht, ein wenig gegessen und uns ausgeruht hatten, beschlossen wir eine überschaubare Wandertour für den restlichen Tag in Angriff zu nehmen. Wir entschieden uns für die Rundtour zum „Kreuz von Mestia“. Fast eintausend Meter kraxelten wir den Berg hinauf und legten immer wieder kleine Pausen zum Trinken ein. Vorbei ging es an kleinen Flüssen, üppigen, blühenden Wiesen, steinigen Abhängen und wurzeligen, manchmal mit Wasser überspülten Pfaden. Doch die Mühe lohnte sich. Als sich die dichte Vegetation oben am Berg lichtete, war der Ausblick atemberaubend. An einem kleinen Haus genossen wir eine wohlverdiente Limmonade und ein paar Snacks die wir mitgeführt hatten. Fast drei Stunden hatten wir bis zu der Hütte gebraucht. Ein kalter, durchdringender Wind kühlte uns schnell ab und die Sonne verschwand langsam hinter einem der großen Berge, sodass wir uns schon bald wieder auf den Rückweg nach Mestia machten, einen anderen Weg nehmend. Zurück in Mestia knurrte uns der Magen und so entschieden wir uns, die georgische Küche in Mestia unter die Lupe zu nehmen. Ich entschied mich für eine selbsgemachte Limmonade und ein Gericht mit dem Namen Ojakhuri (gebratenes Fleisch und gebratene Kartoffeln mit Zwiebeln, gewürzt mit Kräutern typisch für die georgische Küche).
Bis zum Anschlag gesättigt verließen wir das Restaurant. Spät am Abend besuchten wir noch Gaja. Auch sie hatte es bis nach Mestia geschafft und eine ähnliche Wandertour wie wir mit einigen anderen Freunden gemeistert. Nun saßen sie Nachts unter einer Brücke und kochten ihr Abendbrot. Die Brücke war leicht zu finden und das Feuer, das hell leuchtete, verriet uns, wo wir suchen mussten. Mit Gaja saßen drei weitere Personen am Feuer. Ein junger Koch aus Thailand, der sich um das Essen kümmerte, ein Mann aus der Türkei und ein Dritter, aus dem Iran – wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht. Mit Gaja aus Polen, Julia aus den Niederlanden und Gunnar aus Deutschland, bildeten wir eine bunte Abendgesellschaft und genossen das Feuer, das Beisammensein und das Rauschen des reißenden Bergflusses im Hintergrund.








If you see this after your page is loaded completely, leafletJS files are missing.
