Von Bozen nach Ljubljana

Am Morgen des 06.04.2025 hatte Stefano zwei gute Freunde von ihm mit zum Frühstück eingeladen. So genossen wir Toast mit Honig und Rührei zu viert. Dann war es Zeit aufzubrechen. Ich verabschiedete und bedankte mich und verließ Bozen mit dem Linienbus 107 in Richtung Kasteltuth. In Gschlier stieg ich aus und machte mich zu Fuß auf dem Weg hinauf zur Seiser Alm. Drei Stunden und ca. 800 Höhenmeter später hatte ich es auf die Hochebene geschafft. Von dort ging es dann nicht mehr ganz so steil weiter über die Ebene selbst in Richtung St. Christina nach Gröden. Die Ganze Strecke war grob 20 Kilometer lang und beinhaltete 1500 Höhenmeter, verlief über Skipisten und zugefrorene Waldwege und brachte mir viel Spaß, aber auch einen unvermeidlichen Muskelkater. Am Ende des Tages schlug ich mein Zeit am Fuß des Berges, direkt an einem Gebirgsfluss auf, dessen Gurgeln und Rauschen mich langsam in den Schlaf wiegte. Leider musste ich meinen Zeltplatz leicht abschüssig wählen, sodass ich mich nachts mehrere Male am Fußende des Zelts wiederfand, da ich ständig auf meiner Isomatte gen Zeltende rutschte.

Der Morgen des 07.04.2025 war schön und trocken und da ich unter Bäumen bei leichtem Wind gezeltet hatte, war auch die Zeltplane schon frei von Kondenswasser. So konnte ich direkt einpacken und weiter ziehen. Von St. Christina trampte ich in mehreren kleinen Stops nach Corvara, Bruneck und anschließend Sexten, wo ich zuerst in ein Café einkehrte, um mein Handy zu laden, bevor es in Richtung Drei Zinnen weiter ging. An diesem Abend schlug ich mein Lager am Fuß der Drei Zinnen auf, geschützt durch Nadelbäume und moosigen Untergrund. Dennoch wurde es bitterkalt in dieser Nacht, sodass ich bei − 6 °C. Schwierigkeiten hatte, mich warm zu halten und eher unruhig schlief.

Am 08.04 2025 stand ich früh auf, packte das Zelt nass zusammen und machte mich an den Aufstieg zu den Drei Zinnen. Meinen Rucksack ließ ich dabei an der letzten Hütte bei einigen Bauarbeitern zurück, so musste ich die zwanzig Kilo nicht noch zusätzlich den steilen Weg, den Berg hinauf mitschleppen. Die Dinge, die ich mitnahm, beliefen sich auf meine warme Merinowollgarnitur und Daunenjacke, meine M50 von Canon mit zwei Objektiven, etwas zusammengedrücktes Brot vom Vortag und ein paar Erdnüsse sowie Grödel und Gamaschen für die Schuhe und meinen Wasserfilter von BeFree. Über die Nacht hatte ich fast alle Wasserreserven aufgebraucht und es durstete mich, während ich den Berg in Angriff nahm. Keine optimalen Voraussetzungen. Meine Erfahrungen von den Vortagen ließen allerdings den Schluss zu, dass ich mit relativer Sicherheit auf meinem Weg zur Dreizinnenhütte an einem Bach oder Schmelzwasser vorbei kommen würde, an dem mein Wasserfilter zum Einsatz kommen konnte.

Zwar dauerte es etwas länger als gedacht, aber nach etwa eineinhalb Stunden hörte ich es rechts von mir rauschen. Ich folgte dem Geräusch in eine Felsklamm und fand tatsächlich eiskaltes Wasser, das am Felsen austrat und diesen rundum gefrieren ließ. Dort machte ich Rast, stillte ich meinen Durst und aß etwas. Dann ging es weiter, immer weiter den Berg hinauf. Nicht zum ersten Mal konnten sich Grödel und Gamaschen beweisen, während ich mich durch meterhohen Schnee immer weiter bergauf arbeitete. Viele Male musste ich stehen bleiben und verschnaufen. Diese kurzen Pausen nutzte ich, um Fotos zu machen oder die immer dünner werdende Luft in meine Lungen zu ziehen.

Gegen zwölf Uhr Mittags erreichte ich endlich die Dreizinnenhütte und ließ die Aussicht auf mich wirken. Meine durchgeschwitzten Sachen trocknete ich in der Sonne, bevor ich alles wieder anzog und den Rückweg antrat. Da der Schnee von der Sonne mittlerweile angegriffen war, rutschte ich immer häufiger auf nassem Schnee aus, je weiter ich ins Tal vordrang. Dennoch war der Rückweg erheblich einfacher und schneller, als der Weg den Berg hinauf. Gegen vierzehn Uhr war ich zurück bei meinem Rucksack. Ich zog mich um, tauschte durchnässte Wanderschuhe für trockene Turnschuhe ein und wanderte nach Moos, von wo ich wieder zu trampen begann. Die Tour von Sexten zu den Drei Zinnen und wieder zurück nach Moos war ca. 23 Kilometer lang und umfasste etwa 2200 Höhenmeter, die ich zurücklegte. In der Nähe von Lienz landete ich dann per Anhalter durch Zufall auf einem Bauernhof. Als man mich dort fragte, wo es hinginge und wo ich heute Nacht schlafen würde antwortete ich, dass es vermutlich wieder aufs Campen herauslaufen würde, wie auch die letzten zwei Tage. Schnurstracks wurde ich eingeladen, die Nacht doch auf dem Bauernhof zu verbringen und ich willigte ein. Zum Abendbrot gab es selbst gebackenes Brot mit selbst gemachter Erdbeermarmelade sowie einen heißen Tee aus Kräutern aus dem Garten. Dank Germana und Marzell musste ich diese Nacht nicht bei Minusgraden im Freien übernachten, sondern konnte eine warme Dusche – die bitternötig war – und ein warmes Bett genießen, danke dafür.

Am nächsten Morgen, Mittwoch, den 09.04.2025, trampte ich weiter, nicht ohne jedoch vorher noch einmal von dem guten Brot gekostet zu haben. Schnell wurde ich aufgesammelt und fuhr an diesem Tag sogar das erste Mal in einem LKW Schwertransporter bei Miklós, einem Ungarn mit. Von Lienz ging es über Spittal an der Drau nach Villach, von wo ich zu Fuß zum Faaker See weiterstapfte. Und wieder hatte ich Glück. In der Nähe vom Faaker See wurde ich von Philipp aufgesammelt, der mit seinem Hund unterwegs gewesen und nun auf dem Heimweg war. Philipp bot mir an, dass ich bei ihm übernachten könne und ich ergriff die Gelegenheit. Ich bekam mein eigenes kleines Appartement mit Bett und Dusche, konnte endlich mein Zelt richtig trocknen und mich dem Blogschreiben widmen, das die letzten Tage zu kurz gekommen war.

Am nächsten Tag, den 10.04.2025, sollte es weitergehen, obwohl Philipp mir anbot länger zu bleiben. Doch da ich eine Couchsurfgelegenheit in Ljubljana hatte, wollte ich diese wahrnehmen. So machte ich mich auf nach Ljubljana. Philipp war so nett und fuhr mich ein ganzes Stückchen von Latschach nach Ferlach, von wo, so Philipp, man besser trempen könne. Er sollte recht behalten. Neben dem guten Ratschlag von Ferlach nach Ljubljana zu trampen, gab mir Phillip auch noch ein Stückchen rote Kreide und Pappe mit auf den Weg, die er bereits mit SLO für Slowenien beschriftet hatte. Ich musste nicht lange warten, bis ich von einem freundlichen Mann in seinem modernen und modifizierten Mercedes den ganzen Pass hinauf bis direkt an die slowenische Grenze gebracht wurde. Er drückte mir sogar fünf Euro Essensgeld in die Hand, bevor wir uns wieder trennten. Am Pass musste ich dann tatsächlich etwas länger warten, bevor ein Carsharing-Auto hielt und mich bis nach Ljubljana mitnahm. Die drei Insassen waren aufgeschlossen und freundlich und kamen gerade von einem Dreh für die Carsharing-Firma.

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